Bergisches Wirtschaftsblatt (Ausgabe 5/2004)
Nur Gewinner auf der Milchstraße
Eigentlich muss man nur zugreifen. Mitten in Wuppertal-Elberfeld bietet die „proviel“ gGmbH Dienstleistungen für Unternehmen an und übernimmt Lohnaufträge. Zugleich wird behinderten Menschen wichtige Hilfe geleistet. Eine Kooperation, die viele Gewinner hat. „Wir sehen uns als die verlängerte Werkbank für die Unternehmen in der Region“! erklärt Michael May, Geschäftsführer der Werkstatt für Menschen mit psychischen Erkrankungen. „Wir stellen keine Produkte her, sondern bieten der Industrie unseren Service an.“
In zwei Betriebsstätten mit einer Gesamtproduktionsfläche von 8.000 Quadratmetern sind rund 360 Mitarbeiter tätig. Sie verarbeiten Metall, Schalter, Autoteile, Schlösser, konfektionieren Prospekte, verpacken und montieren – bereits für über 60 Unternehmen aus der Region.
Die Arbeiten sind unterschiedlich und hängen vom Auftraggeber ab, der sich darauf verlassen kann, dass die Werkstatt alle wichtigen Standardmaschinen wie CNC-Drehbank und ein Bearbeitungszentrum bereitstehen hat. Außerdem gibt es 900 Palettenplätze zur Lagerung der Produkte. Ganz wichtig sind auch der Fuhrpark und die eigenen Lieferwagen, denn so müssen sich die Firmen nicht um Ab- oder Anlieferung kümmern. Das übernimmt „proviel“. Das heißt: Kurze Wege sind möglich, und organisatorischer Aufwand wird überflüssig.
Warum billig in China produzieren, wenn es vor Ort viel einfacher und schneller geht? Hinzu kommt, dass Unternehmen durch Aufträge an „proviel“ zur Beschäftigung von behinderten Menschen beitragen und so die entsprechende Rechnung auf die Ausgleichsabgabe anrechnen können. Kosten werden also eingespart.
Vor zehn Jahren wurde die Einrichtung, die dem Kompetenzverbund Bergische Werkstätten angeschlossen ist, gegründet. Die Bundesagentur für Arbeit und der Landschaftsverband Rheinland sind Träger. Dennoch gilt auch hier das Gebot der Wirtschaftlichkeit, denn ein Drittel der Kosten muss selbst erwirtschaftet werden. Mit Erfolg: Von den 40 Beschäftigten der Anfangszeit hat sich das Werk auf fast 400 Mitarbeiter steigern können.
„Ein großer Erfolg, und ganz gegen den Trend der Industrie“, so Michael May, der „proviel“ mitgegründet hat, stolz. Denn nicht zuletzt wird psychisch kranken Menschen, die auf dem freien Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben, bei „proviel“ ein Arbeitsplatz geboten. Für diese Frauen und Männer besonders wichtig, weil sie nur so ein „normales“ Leben führen können und soziale Kontakte aufbauen. Das wissen die Beschäftigten selbst nur zu gut; entsprechend niedrig liegt auch der Krankenstand bei nur acht Prozent.
Was zähle, sei 100-prozentige Leistung und Qualität. „Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und die Termintreue machen unseren Erfolg aus“! so May. Die Lohnaufträge müssen schnellstens erledigt werden. 60 Unternehmen sind bislang Kunden von „proviel“, Tendenz steigend.
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