Jeden Monat sieben neue Mitarbeiter

(Westdeutsche Zeitung, 01.09.2005)

"Pro viel" weiht seine neue Werkstatt ein

 

(tah). Diesen Erfolg würde sich manch anderes Unternehmen wünschen: In vier Jahren verdoppelte "Pro viel" die Anzahl der Mitarbeiter, jeden Monat kommen rund sieben neue dazu. Die "Pro viel Service und Produkt gGmbH" bietet, vom Landschaftsverband finanziert, psychisch kranken Menschen aus Wuppertal Arbeit. Innerhalb von einer Woche soll jeder Interessent hier anfangen können. 443 Beschäftige arbeiten derzeit in der Werkstatt, der beruflichen Rehabilitation, der Ausbildung und der Abteilung "Zuverdienst", in der Neueinsteiger mit zwei Stunden Arbeit am Tag beginnen.

Die Tätigkeiten sind so unterschiedlich wie die Menschen, die mit Depressionen, Borderline-

Störungen oder Schizophrenie dorthin kommen: Im "Zuverdienst" geht es um einfache Tätigkeiten, deren Ergebnis stückweise gezählt wird. Die Werkstatt hingegen bietet hochqualifizierten Service. Hier werden Puky-Roller und -Laufräder montiert und für den Endverbraucher verpackt, Metallteile werden gefräst, gedreht, gebohrt. Rund 60 Unternehmen aus der Region greifen auf diesen Service zurück. "Wir sind schnell, wir haben einen guten Preis und sind besser als die Konkurrenz", weist Geschäftsfiihrer Michael W. May jegliches Mitleid von sich. In der Küche bereiten psychisch Kranke jeden Tag 250 Mahlzeiten zu.

Um die steigenden Mitarbeiter- und Auftragszahlen zu bewältigen, hat "Pro viel" jetzt für 2,5 Millionen Euro eine neue Werkstatt mit 2000 Quadratmetern Arbeitsfläche gebaut. Somit besteht neben der Werkstatt in der Farbmühle nur noch ein Drittel der Altbaufläche an der Milchstraße. Nach 18 Monaten Bauzeit ziehen am Montag die Arbeiter samt der neuen Maschinen ein.

Bis dahin jedoch steht dort noch die Ausstellung "Bildstörung" über den Umgang mit psychischen Behinderungen von der Frühzeit bis heute. Sie ist bis 25. September in den Räumen von "Pro viel" jeweils von 8 bis 16 Uhr zu sehen. Gleichzeitig sammeln die Mitarbeiter Spenden, mit denen sie für ein Kinderprojekt in Sri Lanka persönlich Räume bauen wollen.

 

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Aktualisiert am: 06.10.2011