Blindheit auf 50 Quadratmetern

(Michael May / DER Lion November 2006)

Die Blackbox auf der Bergischen EXPO unter dem Motto" Technik, die dahinter steckt"

  

Was hat Blindsein mit Innovation und Leistung zu tun? Warum arbeiten der Kompetenzverbund Bergische Werkstätten für behinderte Menschen und die Lions Clubs aus dem Bergischen Land zusammen? Diese Fragen drängen sich auf, wenn man die Konzeption des gemeinsamen Messestandes auf der größten Wirtschaftsveranstaltung im Bergi­schen Städtedreieck "Stell Dir vor, Du wärest blind" nach einer Idee von Hugo Kükelhaus sieht.

In der Blackbox, einer Dunkelkammer von 50 qm, ließen sich mehr als 20000 Besucher der Bergischen EXPO, einer beeindrucken­den Leistungsschau der unternehmerischen Kompetenzen und des breiten Engagements der Region Wuppertal, Remscheid und Solin­gen im Rahmen der Regionale 2006, vom 30. August bis 3. September 2006 auf ein gewagtes Experiment ein: Blindheit erleben. Begleitet von blinden Führern vertrauten sich die vielen neugierigen Besucher dem absolu­ten Dunkel in der Blackbox an. Nach der ersten Verunsicherung gewannen die Eintre­tenden neue Sicherheit. Sie ertasteten sich ihren Weg durch die verschachtelten Gänge mit den Händen oder einem weißen Stock. Sie fühlten und rochen an den verschiedenen in Fühlkästen ausgelegten Gegenständen wie Obst, Bürsten und Werkzeugteilen. Das Rutschen entlang der Boxenwand wurde zur einzigen Orientierungshilfe. Das Erspüren verschiedener Oberflächen von Kunstwerken bergischer Künstler und das Schmecken von Getränken, serviert in absoluter Dunkelheit durch blinde Menschen, ließ den ans Sehen gewöhnte Besucher Eindrücke gewinnen, die noch lange nachwirken werden.

 

Leistungsfähig trotz Behinderung

 

Was wird einem selbst dabei deutlich? Zuerst natürlich, wie schwer es ist, sich ohne den Sehsinn in der Welt zurechtzufinden. Als zweites aber, dass man sich nach einer Zeit der Umgewöhnung orientieren und auf Dauer auch etwas leisten kann. Auch Menschen, die aufgrund von Behinderungen Einschränkungen in ihrem Leben erfahren müssen, können sich durch das Entwickeln von Techniken in der Welt orientieren und lernen in der Gesellschaft, ihren Beitrag zu leisten. Dies einer breiten Öffentlichkeit einerseits und der Wirtschaft andererseits darzustellen, war das Ziel der Wuppertaler Lions und der Werkstätten mit diesem Aus­stellungsstand. Mit innovativen Geschäftsideen und neuen Strukturen werden der Leis­tungswille und die Fähigkeiten der blinden und sehbehinderten Menschen zu einem wirtschaftlich positiven Faktor. Der Kompe­tenzverbund der Werkstätten zeigte mit seinen Ideen und neuen Geschäftsfeldern bis hin zu anspruchsvollen Dienstleistungen, dass und wie dies möglich ist. Beides zusammen bietet Chancen für alle. Für Be­triebe, die Produkte, Arbeits- und Dienstleistun­gen einkaufen möchten, für die Menschen mit Behinderungen, die sehr gerne sinnvolle Arbeit leisten möchten, für die gesamte Gesellschaft, die auf diesem Wege enorme Sozialkosten sparen kann. Die Lions Clubs Wuppertal-Bergisch Land, Wuppertal 'Bergischer Löwe', Wuppertal, Wuppertal-Mitte, Wuppertal-Corona und der Leo-Club Wuppertal hatten sich ent­schlossen, diese Aktion gemeinsam mit dem Kompetenzverbund Bergische Werkstätten, die ausschließlich Behinderte beschäftigen, durchzuführen. Vor der durch die Behinderten selbst gebauten Dunkelbox gab es eine weitere Ausstellungsfläche von rund 50 qm, auf der mit Schautafeln, Bildern und Ähn­lichem die Ziele der Lionsbewegung und das bisher in der Region vollbrachte Engagement dargestellt wurden.

 

Die Box kann für Activities zugunsten von SightFirst II gerne von anderen Lions Clubs eingesetzt werden.

 

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Aktualisiert am: 06.10.2011