(Martin Gehr, Remscheider General-Anzeiger, 01.09.2006)
Der „Themenpark Technik" bietet neben Vorzeigeprojekten der Wirtschaft auch äußerst sinnliche Erlebnisse. Die RGA machte einen ganz subjektiven Rundgang.
Das 5400 Quadratmeter große Zelt hat etwas Wohnliches. Mit klarem Licht, orangefarbenem Teppich und den Präsentationsinseln der Aussteller fühlt man sich im Themenpark der Bergischen Expo am Zoostadion gleich wohl. Und an jeder Ecke warten Erlebnisse.
Um mir einen ersten Überblick zu verschaffen, lasse ich mich am Stand der Firma Kuli (Planquadrat E1) mit einem Hebelift in fünf Meter Höhe fahren. Vorbei an Fußballkickern, an denen Studenten Entspannung zwischen den Gesprächen mit Ausstellern suchen, lande ich zunächst beim Lions Club, der die „Werkstätten für Behinderte" unterstützt. Ich lerne Matthias Fuchs kennen. Er ist blind. Der Wuppertaler Student der Psychologie hat den „Bücherfuchs“ erfunden, eine Maschine, die Bücher automatisch einscannt. Das Gerät schafft 300 Seiten pro Stunde. Ingenieur Jörg Beyer entwickelte einen Prototyp, der bald in Bibliotheken und Verlagen stehen könnte. „Ende 2007 planen wir die erste Serie", sagt Beyer. Bis zu 20 000 Euro kostet der Bücherfuchs, der Sehbehinderten ermöglichen könnte, Buchseiten in Großschrift auf einem Bildschirm darzustellen - oder sie vom Computer Blinden vorlesen zu lassen.
Ein Roboter fährt an mir vorbei und muntert mich auf, noch mehr zu erleben. Etwa in den „phänomenalen Welten" am Rand des Zeltes: mit Platten, die das Gefühl für Temperatur außer Kraft setzen, einem Ball, der schwerelos in der Luft schwebt und Zerrspiegeln, die meterlange Beine zaubern. Weniger Spielerei, sondern pure Technik, gibt es bei Wilkinson (H2). Dort verfolge ich eine Maschine, die in Sekundenschnelle Nassrasierer produziert. Zwischen den Firmenständen ragt im hinteren Teil der Halle (C6) ein ungewöhnlicher Mikrokosmos heraus: Auf einem Kunstrasen, flankiert von einer Fototapete, stehen kleine, schwarze Fernsehboxen. Sie zeigen das Projekt „Reale Utopien" von Architekturstudenten der Uni Wuppertal. Diese sollten ein Haus der Zukunft entwerfen, dabei jedoch nur Produkte verwenden, die in einem Baumarkt fertig erhältlich sind. Die Ergebnisse können die Besucher in Animationen verfolgen - vom Tetris-Haus, bei dem diverse Gartenlauben und Schuppen zum Wohntraum kombiniert wurden, bis zum Zeltdomizil. Nachdem ich am Stand der
Wuppertaler Arbeitsagentur (E4) auf einer Fotowand erfahren habe, dass Remscheids Oberbürgermeisterin Beate Wilding eigentlich Feuerwehrfrau werden wollte, mache ich mich auf den Weg zum Ausgang. Ich schnappe mir am Stand der Verlage von RGA, WZ und Solinger Tageblatt (H2) eine mit blauer Schokolade begossene Waffel und verlasse euphorisiert das Zelt. Technik, die begeistert.