Von Susanne Koch (Solinger Tageblatt 27.03.2004)
Angestoßen durch die Regionale 2006 schlossen sich gestern fünf Werkstätten für Behinderte zusammen: Verbund soll Akquise und Marketing erleichtern.
In über 20 Jahren haben sich die Werkstätten für Behinderte in der Region von einer behütenden Beschäftigungsförderung zu modernen Unternehmen und Dienstleistern für die Industrie entwickelt. In Wuppertal bekocht die Großküche der Lebenshilfe zum Beispiel den Polizeipräsidenten, das Präsidium und die Bereitschaftspolizei. Die Solinger Lebenshilfe hat durch die Kooperation mit Zwilling J. A. Henckels einen Meilenstein in der Integration vor allem geistig behinderter Menschen in der Region gesetzt. Die Wermelskirchener können Akten digital archivieren, die Remscheider haben die Zertifizierung, um Akten zu vernichten.
Um sich durch einen gemeinsamen Auftritt weiter am Markt zu behaupten, neue Kunden zu interessieren, Großaufträge im Bereich Montage und Konfektionierung zu akquirieren und um den arbeitsmarktpolitischen und wirtschaftlichen Erfordernissen gerecht zu werden, haben sich fünf Werkstätten zu einem Verbund zusammengeschlossen: „Kompetenzverbund der Bergischen Werkstätten für Menschen mit Behinderungen.“ Gestern fand die Vertragsunterzeichnung in Solingen statt. Oberbürgermeister Franz Haug begrüßte diese zukunftsweisende Entscheidung: „Gemeinsam sind wir stärker.“
Über 2000 Mitarbeiter sind in den Werkstätten der Lebenshilfen Wuppertal, Remscheid, Solingen, Wermelskirchen und der „proviel“ gGmbH Wuppertal beschäftigt. Während im Bergischen stetig Arbeitsplätze abgebaut wurden, sind die Behindertenwerkstätten gegenläufig gewachsen. „Das wird auch in Zukunft so sein, wir müssen die Werkstätten vergrößern“, erklärte Josef Neumann, Geschäftsführer der Solinger Werkstatt für Behinderte. Denn Arbeit für Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, für ungelernte Kräfte und Menschen mit seelischer oder geistiger Behinderung werde es künftig auf dem ersten Arbeitsmarkt noch weniger geben.
Kaufkraft wird gestärkt!
„Durch die Einbindung an den Wirtschaftsraum bleibt die Wertschöpfung aber in der Region, die sonst oft in Billiglohnländer abfließen würde“, führte Karl-Heinz Schwarz aus, der Geschäftsführer der Wermelskirchener Einrichtung. „Dies stärkt auch die Kaufkraft in der Region.“
Zusammen können die Werkstätten ein reichhaltiges Service- und Angebots-Paket schnüren. Für die Industrie: Montage, Konfektionierung, Metallbe- und -verarbeitung, Kunststoffschweißtechnik, Elektro-Montage und Logistik. Dienstleistungen für Unternehmen und Privathaushalte: Catering, Eventorganisation, Garten- und Landschaftspflege, Hausdrucksachen, digitale Archivierung und Aktenvernichtung, IT-Dienstleistungen.
Koordination: Renate Wischnewski, Technische Leiterin in Solingen; Telefon: (0212) 599 52 14; E-Mail: r.wischnewski@dont-want-spam.wisub.de