Werkstätten holen sich die Arbeit zurück

Westdeutsche Zeitung, 24.03.2010 

 

 

KOMPETENZVERBUND Die Einrichtungen für

behinderte Menschen gewinnen neue Kunden und zuvor ins Ausland verlagerte Aufträge.

 

Von Klaus Koch

Der Kompetenzverbund der Ber­gischen Werkstätten holt derzeit offenbar viel Arbeit, die heimi­sche Unternehmen bereits in Bil­liglohn-Länder verlagert hatten, wieder zurück ins Bergische. Jedenfalls ist es den Lebenshilfen und Proviel gelungen, den Umsatz mit etwa 45 Millionen Euro auf dem gleichen Niveau wie im Jahr 2008 zu halten. Und das, obwohl die behinderte Menschen beschäftigenden Werkstätten als Zulieferer natürlich ebenfalls ex­treme Einbrüche in den Auftrags­büchern hatten. Gleichzeitig ha­ben die Werkstätten im vergange­nen Jahr jedoch 60 neue Kunden gewonnen.

Auf diese Art stellten die Werkstätten sogar 120 neue Ar­beitsplätze für behinderte Men­schen zur Verfügung. Außerdem wurden 27 Hauptamtliche eingestellt. Und die Zahl der so ge­nannten Außenarbeitsplätze, bei denen Behinderte in den Räumen des Auftraggebers eingesetzt wer­den, stieg von 55 auf 90.

Bei den Tätigkeiten geht es häufig um echte Volumenarbeit:

Die Werkstatt in Wermelskirchen verarbeitete allein 32 Millionen Einzelteile, montiert Rollen für die unterschiedlichsten Anwen­dungen; unter anderem für Krankenhausbetten und Servier-Wa­gen in Flugzeugen. Die Solinger Werkstätten verpackten etwa 80 000 Sockenhalter; die Werk­stätten in Remscheid fertigten

1,8 Millionen Automobilteile und schredderten 220 Tonnen Akten. Die Wuppertaler Lebens­hilfe-Werkstätten haben in einem einzigen Auftrag 540 000 Schrauben konserviert (also in Fett ge­hängt) und damit für den Einsatz auf Baustellen vorbereitet. Proviel liefert in wenigen Tagen das 300 000. Puky-Fahrzeug aus.

Wie die Geschäftsführer der Einrichtungen berichten, gibt es zudem einen ständigen Aus­tausch mit dem Arbeitgeberverband, um über die Verbesserun­gen in der Produktion zu spre­chen.

Zudem investierten die Werkstätten im vergangenen Jahr mehr als

5,5 Millionen Euro. 4,5 Millionen werden es in diesem Jahr. „Das kann nicht jedes mittelständische Unternehmen", heißt es bei den Werkstätten.

Für das laufende Jahr erwarten die Werkstätten einen deutlichen Umsatzsprung. Der ist wohl auch nötig. Denn die Zahl der Men­schen mit Behinderungen wächst ständig. Wenn sie am gesell­schaftlichen Leben teilhaben sol­len, braucht es einen Zuwachs von bis zu zehn Prozent bei den Arbeitsstellen. Die Werkstätten finanzieren sich dabei zu knapp 40 Prozent selbst.

  

Die Werkstätten

KOMPETENZVERBUND Zum Verbund gehören LWRS Lebenshilfe Remscheid, Lebenshilfe WfB Solingen, Werkstatt Lebenshilfe. Berg. Land, Proviel und Lebens­hilfe Werkstätten Wuppertal.

MITARBEITER Die Werkstätten beschäftigen fast 3000 Mitarbei­ter, darunter knapp 500 haupt­amtlich. Zum Werkstätten-Ver­bund gehören 46 000 Quadrat­meter Produktions- und Logistik­fläche und knapp 5000 Paletten­stellplätze.

 

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Aktualisiert am: 06.10.2011