Westdeutsche Zeitung, 20.04.2010
Sicherer Halt für Jäger und Hardrocker
Schaeffertec Christof Schmidt gründete vor zwei Jahren die Firma. Mit dem Druckknopfsystem Tenax ist er am Markt auch international überaus erfolgreich.
von Manfred Görgens
Eine alte Geschäftsregel geht davon aus, dass sich Qualität durchsetzt. Auf solch goldene Maxime ist heute allerdings kaum mehr Verlass, weil der Markt mit vielen herkömmlichen Gesetzen bricht. So verbreiten Strategieberater seit langem den sozial unverträglichen Leitsatz, Gewinnoptimierung müsse vor allem durch gnadenlose Einsparungen erzielt werden.
Kluges Marketing und eine bewährte Produktpalette
Für Christof Schmidt aus Sprockhövel sind diese Spar-Apostel „ein bürokratischer Wasserkopf", der sich parasitär nährt und gesunde Geschäftsentwicklungen lähmt. Beherzt wandte sich Schmidt gegen die allzu berechnenden Strategen und gründete im Oktober 2008 an der Kleinbeckstraße mit der Firma Schaeffertec ein Unternehmen, das konsequent auf kluges Marketing und eine bewährte Produktpalette setzt. So rettete Schmidt ein Erzeugnis, das trotz jahrzehntelang geschätzter Qualität wohl jenem Wasserkopf zum Opfer gefallen wäre; den Tenax.
Dem Laien noch relativ unbekannt, ist Tenax ein verriegel-, aber auch wieder rasch lösbarer Befestigungs- und Sicherungsknopf, der sich nicht unbeabsichtigt öffnet und hohe Belastungen aushält. Das 1925 in England erfundene System setzte sich kurz nach dem Krieg zur Befestigung von Cabrio-Faltverdecken durch und wurde von der traditionsreichen Wuppertaler Firma Schaeffer hergestellt.
Die Möglichkeiten des Patents in eine Holding übernommen
1989 übernahm die Aachener Prym Inovan das Wuppertaler Unternehmen. Bei Prym war Christof Schmidt verantwortlich für den Vertrieb des pfiffigen Druckknopfs wie auch der ebenfalls von Schaeffer hergestellten Kugelschreiber-Clips — bis er zusehen musste, wie Prym 2003 ins Trudeln geriet und sich Strategieberater ins Haus holte. Deren realitätsfernes Denken, das alle Möglichkeiten des damals defizitären Patentprodukts übersah, brachte Schmidt auf die Idee, von der Holding-Geschäftsführung eben diese Produkte - Druckknopf und Kugelschreiberclipse in die neu gegründete Schaeffertec zu übernehmen.
Inzwischen boomt der Druckknopf unter dem neuen Markennamen LOXX. Das Erfolgsrezept besteht in pragmatischem Handeln, Anpassung auch an kleine Marktsegmente, neuen Werbe-
Strategien und einem wesentlich aktiveren Vetriebsapparat.
„Ohne Liebe zum Produkt ist so ein Erfolg nicht möglich“, sagt Schmidt, der auf eben dieser Basis pfiffige LOXX-Varianten auf den markt bringt, darunter Druckknöpfe für Tragegürtel. Eben erst stellte er auf einer Musikmesse staunenden Heavy-Metal-Gitaristen den LOXX mit Totenkopf- Emblem für ihre Stratocaster vor, da denkt er schon an die Kundschaft unter den Jägern. Die weiß schnell zu schätzen, dass dieser Druckknopf nicht klappert und deshalb auch nicht das Wild vertreibt.
KEINE KURZARBEIT
2005 beschäftigte Schaeffer in Wuppertal noch 200 Leute, inzwischen sind es 42.
Ende 2010 wird die Wuppertaler Firma wahrscheinlich schließen. Unterdessen zählt Schaeffertec, das an der Kleinbeckstraße in ehemaligen Gebäuden von Allegheny Rodney Metals Metals angesiedelt ist, derzeit 18 Mitarbeiter. Hinzu kommt der Außendienst. 2009 konnte auf Kurzarbeit verzichtet werden. 2010 scheint sich als Zuwachsjahr für das Unternehmen zu erweisen.
ARBEITSMARKT
ARBEITSMARKT
Prym gab die Assemblage des Druckknopfs in die Tschechei. Schmidt ist in die Heimat zurückgekehrt und lässt in den Werkstätten der Wuppertaler Proviel GmbH fertigen, um den lokalen Arbeitsmarkt zu stärken und schneller auf Kundenwünsche reagieren zu können.