Vier Millionen Euro, die Unterbarmen kräftig aufwerten

Westdeutsche Zeitung, 21.08.2009

 

Vier Millionen Euro die Unterbarmen kräftig aufwerten

von Klaus Koch

Farbmühle Proviel feiert die Fertigstellung der Produktions-, Lager­und Schulungsräume.

 

Diese Anekdote ist wohl bezeich­nend für den neuen Standort von Proviel an der Farbmühle: Als Michael May (Proviel) und Mi­chael La Porte (DLP) über den Verkauf des Grundstücks an Pro- viel verhandelten, ging es „sehr sportlich" zu. Die Verträge wur­den mürrisch hin- und herge­schoben, zwischendurch herrsch­te völlige Funkstille — heute aber sind May und La Porte nicht nur gute Freunde, DLP ist sogar Kun­de beim Industriedienstleister Proviel und Michael La Porte ei­ner von gut 250 best gelaunten Gästen bei der gestrigen Einwei­hung.

Behindertenwerkstatt als in Baustein für Standort Deutschland

Was den Bau betrifft, sind sich alle einig: Eine tolle Aufwertung in Unterbarmen. Eine, wie sie sich Oberbürgermeister Peter Jung auch an vielen anderen Plät­zen vorstellen könnte. Und ein Ensemble, bei dem Schwebe­bahn, Wupper, Neubau und die Möglichkeit, direkt an der Wup­per zu essen, ganz ungewohnte neue Aussichten bieten.Und wirtschaftlich? Die Puky­Geschäftsführung (das Unter­nehmen erhielt gerade wegen der Treue zum Standort Deutschland einen Preis), drückt es so aus: „Puky steht für Deutschland. Und Proviel als Dienstleister ist dabei ein ganz wichtiger Baustein." Tatsächlich lässt Puky be­reits seit Jahren bei Proviel mon­tieren. Mit dem Standort Farb­mühle und den damit erhöhten Kapazitäten weitet Puky diese Auftragsvergabe aus: Es werden mehr Go-Cart-Modelle als bis­lang in Wuppertal montiert.

Thomas Lenz, Leiter der Arge, berichtet sogar von einer Betrof­fenen, die in der Behinderten­werkstatt einer Arbeit nachgehen konnte — und danach nur noch einen Wunsch hatte: „Proviel soll es immer geben."

So viel Begeisterung, da ist es an IHK-Präsident Friedhelm Sträter ein wenig Wasser in den Wein zu schenken. Er stellt den Wettbewerbsgedanken in den Vordergrund und macht klar, dass es natürlich auch ganz nor­male Unternehmen gebe, die die gleichen Dienstleistungen wie Proviel anbieten, ohne in irgend­einer Weise unterstützt zu wer­den.

Hintergrund: Proviel wirbt unter anderem mit dem Argu­ment für sich, dass etliche Ar­beitsgänge auch in den Wupper­taler Werkstätten der gemeinnüt­zigen Einrichtung erledigt wer­den könnten statt sie in Billig­lohnländer zu verlagern. Sträter jedoch sagt: „Keine Firma schickt ein Teil nach China, nur um dort ein Loch hineinbohren zu las­sen." Das heißt: Die Aufgaben, die Proviel übernimmt, sind auch komplexerer Natur. Sträter for­muliert daher den Wunsch nach fairem Wettbewerb mit den völlig normalen Unternehmen.

VIER MILLIONEN EURO

INVESTITION Vier Millionen Euro hat der 7000-Quadratmeter-Neu­bau gekostet. Ein guter Teil stammt von der Jackstädt-Stif­tung. Öffentliches Geld ist nicht verwendet worden.

MITARBEITER Rund 700 Menschen sind bei Proviel beschäftigt, etwa 300 am Standort Farbmühle.

TÄTIGKEITEN Bei Proviel arbeiten Menschen mit psychischer Beein­trächtigung als Dienstleister für die heimische Industrie. An der Farbmühle kommt die Ausbil­dungsakademie hinzu. Die Zahl der Menschen mit psychischer Beeinträchtigung steigt ständig.

 

 

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Aktualisiert am: 06.10.2011