Westdeutsche Zeitung 13. März 2009
Proviel richtet an der Farbmühle eine Bildungs-Akademie ein
STRATEGIE Die Werkstatt für behinderte Menschen verstärkt die Eigenpositionierung als Partner der heimischen Industrie.
Von Klaus Koch
„Ein Super-Jahr." Wenn Michael May, Geschäftsführer von Proviel über das vergangene Jahr redet, dann über eines, in dem es eine satte 28-prozentige Umsatzsteigerung gab und 60 neue Arbeitsplätze entstanden, obwohl die Arge" die Zahl ihrer Kunden bei proviel auf rund 110 halbiert hat. 13 neue Kunden aus der Industrie hat Proviel gewonnen und so den eigenen Anspruch verdeutlicht, nicht nur Arbeitgeber mit sozialer Sorgfalt zu sein, sondern sich auch als Industriedienstleister Nummer eins in Wuppertal zu positionieren. Metallbearbeitung, Montagen jeder Art, Lasermarkierungen — unter anderem das sind die Tätigkeiten, die Proviel für industrielle Kunden aus der Region durch führt. Jeder dieser Kunden ist nach Angaben von May innerhalb von einer Stunde mit dem Lastwagen zu erreichen. Trotzdem: Die Krise macht sich auch bei der 1994 gegründeten und von der Bundesagentur für Arbeit als „Werkstatt für behinderte Menschen" anerkannten Einrichtung bemerkbar. Entlassen oder Kurzarbeit einführen? Das sind Dinge, die May ausschließt. Denn man könne gerade bei den Menschen mit Beeinträchtigung kaum die Arbeitsbelastung noch weiter herunterfahren. Die Aufgabe lautet ja gerade, sie sinnvoll zu beschäftigen. Allerdings diskutieren die Industrie-Kunden gerade in diesen Zeiten jede Variante: Die Fertigung aus dem Ausland zurückholen, sie dann entweder bei einem Dienstleister wie Proviel oder doch im eigenen Haus erledigen lassen? Da stehen derzeit viele Gespräche an. Klare Strategie von Michael May: Die Zahl der derzeit rund 60 Kunden soll sich um etwa 30 Prozent' erhöhen, um Auftragsrückgänge zu kompensieren. Vorteile der Kunden, in Wuppertal montieren und zuarbeiten zu lassen sieht er viele: Natürlich die Flexibilität, aber auch die Chance der Kunden, täglich selbst Qualitätsmanager bei Proviel vorbeikommen zu lassen. Weiterer strategischer Schritt bei Proviel: Das Unternehmen baut an dem gerade entstehenden neuen Standort an der Farbmühle eine Bildungsakademie auf und will sich so zusätzlich als Bildungspartner platzieren. Da geht es um berufliche Weiterbildung bis hin zu IHK-Abschlüssen. Auch betriebsfremde Unternehmen können sich May zufolge dann da einloggen und Mitarbeiter zum Beispiel in Fragen der Lagerlogistik weiterbilden lassen. Zielgruppe sind dabei immer Menschen mit irgendwie gearteten Benachteiligungen.
FARBMÜHLE
ZUSÄTZLICHER STANDORT
Der neue Standort an der Farbmühle hat 3500 Quadratmeter Produktionsfläche und etwa 600 für die Weiterbildung. 280 Menschen werden in das neue Haus umziehen, das im Juni den Betrieb aufnehmen soll. Platz für Wachstum ist zudem vorhanden. Deutlich einfacher wird damit die Anlieferung per Sattelzug. Außerdem entstehen an der Wupper ein Restaurant und eine Kantine.