Wuppertaler Rundschau 2. April 2008
Autoschmiede Wuppertal:
60.000 Puky-Cars gebaut
Proviel-Bilanz: 2.800 Mitarbeiter, 35 Millionen Euro
Ein bisschen seltsam wirkte es schon. Als der Netzwerkmanager des Kompetenzverbundes der Bergischen Werkstätten Christoph Nieder am letzten Mittwoch die Frühjahrs-Pressekonferenz eröffnete, herrschte in Wuppertal gerade tiefstes Schneetreiben. Grund zur Winterdepression gab es trotzdem nicht. Denn die Betriebe aus Wuppertal, Remscheid, Solingen und Wermelskirchen können auf ein äußerst erfolgreiches Jahr 2007 zurückblicken. Dabei schaffen die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen keineswegs "nur" neue Arbeitsplätze, sondern leisten einen erheblichen Beitrag zur Wirtschaft im Bergischen Land.
Das zeigen schon die eindrucksvollen Zahlen des letzten Jahres. Knapp 35 Millionen Euro Umsatz wurden von den fast 2.800 Mitarbeitern erwirtschaftet. Neben Millionen Einzelteilen für verschiedene Wirtschaftszweige wurden auch mehr als 60.000 der bekannten Kinderfahrzeuge von Puky durch "proviel" gefertigt. Die Arbeit lässt sich aber auch anders messen: 140.000 Fahrgäste wurden 2007 von der Schwebefähre im Brückenpark Müngsten befördert - allein durch Muskelkraft.
Kein Wunder also, dass das Investitionsklima bei den Werkstätten sehr gut ist. Allein die Lebenshilfe Solingen investierte acht Millionen Euro, damit seit letztem Herbst auf ihrem Gelände täglich 2.500 Mahlzeiten unter anderem für Krankenhäuser, Alteneinrichtungen und Kindertagesstätten gekocht werden können. Die Lebenshilfe in Wermelskirchen ließ sich eine neue Lager- und Logistikhalle 2,5 Millionen kosten. Mit einer halben Million war die Investition der Wupperta1er Lebenshilfe zwar etwas geringer, dafür aber auf anderer Ebene umso eindrucksvoller: In einem speziellen heilpädagogischen Bereich innerhalb der Werkstatt können jetzt bis zu 80 Personen individuell gefördert und gepflegt werden. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Therapie statt auf Wirtschaftlichkeit.
Keine Behinderungen im Wirtschaftsverkehr
Gerade letzteres Beispiel verdeutlicht das, was Christoph Nieder als "Zwei-Kunden-Denkweise" beschreibt. Die Werkstätten müssten sich als Mittler sehen, der die Ansprüche der Wirtschaftskunden mit denen der Mitarbeiter verknüpft. Dass es da zu einem Spannungsfeld kommen könne. sei klar. Aber gerade die Bewältigung sei die interessante Aufgabe für den Verbund der Werkstätten. Wenn man sich die Kommentare der Kundschaft ansieht, scheint die Umsetzung dieses Vorhabens kein Problem zu sein. Für diese sind die Werkstätten nicht nur ein "zuverlässiger Partner" mit einer "Fehlerquote gleich null" (Putsch GmbH), sondern arbeiten auch "lösungsorientiert" und denken für "den Auftraggeber mit" (Tente-Rollen GmbH).
Eric Baudner